Zuckergehalt von Rum selber messen

Zuckerwürfel

Ihr wollt wissen, wie ihr selbst schnell, einfach und günstig messen könnt, ob in eurem Rum Zucker enthalten ist? Dann seid ihr hier richtig.

Wie ich bei den Rum Inhaltsstoffen schon erwähnt habe, gibt es bereits eine sehr umfangreiche Liste mit Zuckermessungen verschiedener Rums. Da die Liste aber nahezu ausschließlich auf Messungen aus dem englischsprachigen Raum basiert, fehlen einige Rums, welche nur oder überwiegend in Deutschland verkauft werden. Darunter beispielsweise die komplette Ron Malteco* und Malecon* Reihe. Auch die deutschen oder generell nicht so großen unabhängigen Abfüller sind kaum vertreten.

Aber das ist kein Problem, denn nachfolgend zeige ich euch, wie ihr den Zuckergehalt auch selbst ganz leicht und ohne Vorwissen messen könnt und worauf zu achten ist.

Das Ganze funktioniert auf Basis der Dichtemessung eines Alkohol-Wasser-Gemischs über ein Aärometer (Alkoholmeter / Hydrometer). Weil Zucker die Dichte verändert, zeigen Aärometer bei Zuckerzusatz dann einen geringeren Alkoholwert an, als die Spirituose eigentlich hat. Über die Abweichung von deklariertem und gemessenem Alkoholwert kann dann über eine Umrechnungstabelle ermittelt werden, wie viel Zucker in der Spirituose enthalten ist.
Man muss aber natürlich auch dazu sagen, dass diese Messung nicht 100% genau ist, denn auch andere Zusätze neben Zucker, wie bspw. Glycerin oder Vanillin können die Dichte beeinflussen und somit das Ergebnis verfälschen. Auch ist die Messtoleranz mit günstigen Aärometern im heimischen Wohnzimmer selbstverständlich höher als in einem Labor mit entsprechenden Instrumenten unter Laborbedingungen. Solche einfachen Messungen via Aärometer (Hydrometer) haben aber auch nicht den Anspruch aufs letzte Bisschen genau zu sein, sondern sollen Auskunft darüber geben, ob nachgesüßt wurde oder nicht.
Dabei ist es nicht relevant, ob nun 5 oder 6g/l Zucker enthalten sind, aber es ist sehr wohl ein Unterschied ob überhaupt Zucker enthalten ist und ob es 10, 20 oder 50g/l sind.
Ich kann in gleichem Atemzug aber auch direkt dazu sagen, dass ihr schon davon ausgehen könnt, dass die Werte weitestgehend stimmen. Bisher stimmten nämlich fast alle Hydrometertests auch mit den Laborwerten der getesteten Rums überein.
Nun aber auch genug der Theorie, kommen wir zum Spannenden, der Praxis.

Bevor ihr anfangen könnt, etwas zu messen, wird natürlich erst einmal das passende Equipment benötigt. Aber keine Angst, das gibts schon für kleines Geld.
Ihr benötigt einen passenden Messbehälter und natürlich ein Aärometer / Hydrometer

Der passende Messbehälter

Theoretisch könnt ihr da jeden beliebigen Behälter verwenden. Ich persönlich möchte aber meinen guten Rum zum Messen nicht in Kunststoffbehälter schütten. Nennt mich eigen, aber ich habe danach immer das Gefühl den Behälter rausschmecken zu können. Es sollte also Glas sein. Das Fassungsvermögen sollte min. 100ml betragen, besser mehr. Damit würde zwar theoretisch jedes beliebige Trinkglas in Frage kommen, aber die sind meistens einfach nicht hoch genug. Die Aärometer / Hydrometer sind nämlich in der Regel ca. 30cm lang und sollten möglichst weit eintauchen können. Da mir einzelne Messzylinder vom P/L Verhältnis her zu schlecht waren, habe ich mir folgendes Set zugelegt und bin bisher sehr zufrieden:

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Es sind zwar auch Reinigungsbürsten enthalten, ich pack die aber einfach in die Spülmaschine und bisher gabs keine Probleme damit. Offiziell sind sie aber nicht für die Spülmaschine geeignet.
Das Set bekommt ihr günstig beispielsweise einfach über Amazon hier: http://amzn.to/2rxyCOT *

Das Aärometer / Hydrometer

Ihr benötigt natürlich ein Aärometer (auch Alkoholmeter oder im englischsprachigen Raum Hydrometer genannt)
In anderen Anleitungen zum Thema Zuckermessung bei Rum werden gern billige Hydrometer aus China über eBay empfohlen. Was die Messgenauigkeit angeht, dürften die teureren davon den meisten Ansprüchen sicher genügen, allein aber was Versanddauer und die diversen Berichte über defekte Hydrometer angeht, rate ich an dieser Stelle davon ab. Die deutschen Aärometer / Hydrometer sind nur wenige Euro teurer, aber in meinen Augen wirklich die bessere Wahl. Sowohl was Funktion als auch was die Kaufabwicklung angeht.
Wichtig ist in jedem Fall auch darauf zu achten, dass das Aärometer ein integriertes Thermometer und eine entsprechende Ausgleichsskala hat, denn ihr werdet in eurem Wohnzimmer höchstwahrscheinlich nicht immer exakt 20°C Flüssigkeitstemperatur erzeugen können für die das Aärometer ausgelegt ist. Dadurch spart ihr euch auch gleichzeitig die Ausgabe für ein Stabthermometer zum Messen der Flüssigkeitstemperatur.
Damit müsst ihr euch aber gar nicht großartig weiter befassen, denn die nachfolgenden beiden Aärometer sind gut geeignet und erfüllen alle genannten Punkte.
Ihr müsst nur noch eine kleine Entscheidung treffen. Ihr könnt nämlich ein recht genaues Aärometer wie das folgende für den Bereich von 30-60% Alkohol holen:

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Bild: Amazon.de
Das Aärometer bekommt ihr ebenfalls günstig bei Amazon über diesen Link:  http://amzn.to/2rQteqD*

Oder ein ungenaueres universal Aärometer für alles von 0-100% Alkohol:

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Bild: Amazon.de
Zu bekommen ist das über: http://amzn.to/2s0yMzC*

Da die meisten Rums zwischen 40-60% Alkohol haben werden, dürfte das 1. Aärometer auch für nahezu alle Fälle ausreichen und ist eben genauer. Weil ich aber für jeden Rum ein passendes Aärometer haben wollte, habe ich einfach beide Varianten gekauft. Bei den Preisen tut das nun auch wirklich nicht all zu weh. Die Entscheidung liegt aber bei euch und hängt davon ab, was genau ihr messen wollt. Für Rum geeignet sind beide.

Kalibrierung

Für welches Aärometer / Hydrometer ihr euch auch entschieden habt, solltet ihr vor eurer ersten richtigen Messung testen, ob auch alles wie gewünscht funktioniert. Man könnte es auch kalibrieren nennen, denn solltet ihr eine Abweichung feststellen, könnt ihr diese bei den richtigen Messungen mit einberechnen. Wie kalibriert man denn ein Aärometer? Hört sich komplizierter an, als es ist. Ihr braucht einfach nur eine Spirituose, die gesichert ohne Zucker ist. Ich benutze hierfür beispielsweise den Havana Club 3 Anos*, der nebenbei auch hervorragend zum Mixen in Cocktails geeignet ist. Nun füllt ihr den Messbehälter mit dem Havana Club 3 Rum auf, lasst das Aärometer eintauchen und lest den Wert, bis zu dem das Aärometer eingetaucht ist, von der Skala ab. Da der Havana Club 3 40% Alkohol und keinen Zucker enthält, solltet ihr an dieser Stelle dann exakt 40 ablesen können.

Beim Ablesen bitte darauf achten, den tiefsten Punkt der Flüssigkeit als Ablesewert zu nehmen. Flüssigkeiten in einem Behälter sind nie vollständig plan, sondern „wölben“ sich zu den Rändern nach oben oder unten. In Fall von Spirituosen nach oben. Die folgenden Grafiken von Wikipedia geben das gut wieder. Abzulesen ist, wie in der Grafik links dargestellt, der Wert auf Höhe der gestrichelten Linie.

Reading_the_meniscus.svg
Bild: By Reading_the_meniscus.png: User:Jleedevderivative work: Hazmat2 [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
WasserLuftWand.svg
Bild: By Füsiahh [GFDL or CC-BY-SA-3.0], via Wikimedia Commons

Solltet ihr nun etwas anderes als 40 ablesen, guckt euch die Temperaturskala an. Wie oben schon erwähnt, sind die Aärometer i.d.R. auf 20°C geeicht. Hat eure Flüssigkeit nicht diese Temperatur, wovon man eigentlich immer ausgehen kann, müsst ihr noch auf die Ausgleichsskala gucken. Guckt euch dazu einfach die folgenden Beispielbilder an.

Messung Alkohol Havanna Club 3
Messung Alkohol Temperaturkorrektur

Wie ihr sehen könnt, ist auf dem ersten Bild der Wert 41,5 abzulesen. Das wäre also eigentlich zu viel. Das Thermometer auf dem zweiten Bild sagt uns aber, dass die Flüssigkeit nicht 20°C, sondern 26°C hat und wie über die Temperaturausgleichsskala rechts daneben zu sehen ist, bedeutet das, dass wir vom angezeigten wert 2 abziehen müssen. 41,5 – 2 ergibt 39,5 und da der Havana Club 3 Anos* exakt 40% Alkoholanteil hat, misst mein Aärometer / Hydrometer hier 0,5% zu wenig. 0,5 ist ein Bereich, der nicht wirklich ins Gewicht fällt und bei den Messungen vernachlässigt werden kann. Ich rechne die 0,5 allerdings bei jeder meiner Messungen mit hinzu.

An dieser Stelle seht ihr auch, wie wichtig es ist, dass die Skalen gut lesbar sind. Die 0-100% Aärometer sind allein schon deswegen ungenauer, weil man durch die feinere Unterteilung nicht so gut ablesen kann, wo genau der Pegel gerade steht.

Bekommt ihr nach Temperaturkorrektur, wie bei meinem Beispiel, einen anderen Wert als 40 angezeigt, obwohl ihr sicher eine Spirituose mit 40% und ohne Zusätze verwendet habt, wisst ihr also, dass ihr eure nachfolgenden Messungen um diesen Wert korrigieren müsst.

Ermittlung des Zuckergehalts

Nachdem ihr nun sicher gestellt habt, dass euer Aärometer korrekt misst, braucht ihr natürlich noch eine Umrechnungstabelle für den Fall, dass der angezeigte Alkoholwert von dem auf der Flasche angegebenen abweicht. Dazu könnt ihr gern folgende Tabelle verwenden:

Die Tabelle stammt ursprünglich von Drejer aus dem http://rumproject.com Forum, wo auch die Messungen zu Rum gesammelt werden. Ich habe die Tabelle nur minimal geändert, um sie ein wenig klarer zu gestalten. Das lesen der Tabelle ist simpel, Links in grün dargestellt sind die von euch gemessenen Werte und die obere gelbe Reihe sind die Werte des Flaschenetiketts. Ihr sucht nun einfach bei den grünen Feldern auf der linken Seite den Alkoholwert, den ihr mit eurem Aärometer / Hydrometer gemessen habt und geht von da aus so weit nach rechts, bis ihr auf der Höhe des Alkoholgehaltes laut Etikett auf der Flasche seid. In der entsprechenden Zelle seht ihr nun wieviel g/l Zucker das entspricht.

Beispiel Zuckermessung

Beispiel:

Ihr habt einen Rum mit 40% Alkohol laut Etikett (blauer Kreis). Gemessen habt ihr mit dem Aärometer aber 31% (schwarzer Kreis), dann ergibt das einen Zuckergehalt von 32g/l (roter Kreis). Ihr wisst also, dass der gemessene Rum definitiv ganz ordentlich nachgesüßt wurde.

Alles was sich im Bereich bis 5g/l abspielt, kann allerdings durchaus auch ohne Zugabe von Zucker, rein aus der Fasslagerung zu Stande gekommen sein. Holz gibt nämlich ebenfalls Vanillin und Zucker in den Rum ab.

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Das wars auch schon. Mit dieser Methode könnt ihr nun jeden Rum auf seinen Zuckergehalt hin überprüfen.
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