Plantation XO 20th Anniversary Barbados Rum Tasting

Gesamtwertung

75/100

Hier gibts das Video zum Tasting!

Datenblatt

Herkunft: Barbados

Hersteller / Destillerie: Maison Ferrand

Alter: Einzeldestillate 12 – 20 Jahre
Double Aged: 8-10 Jahre in Eichenfässern auf Barbados, danach 2-10 Jahre in alten Cognac Fässern in Frankreich.

Ausgangsstoff: Melasse

Fermentation: 3-5 Tage

Destillationsmethode: Pot Still & Column Still

Herstellungsverfahren: Blend

Preis: EUR 41,90 *

Alkohol: 40%

Bekannte zugesetzte Stoffe: Zuckerkulör, 29g/l Zucker

  • Geruch 90%
  • Geschmack 80%
  • Süße 75%
  • Milde 70%
  • Preis / Leistung 60%
  • Gesamt 75%
P

Mild

P

Komplex

P

Sehr gefälliger Geschmack

P

Interessante Aromen

O

Nachgesüßt

O

P/L nicht das Beste

=

Vorbemerkung

Ähnlich wie beim Zacapa 23, wurde auch beim Plantation 20th Anniversary vor etwa 5 Jahren die Flaschenform verändert. Hierbei wurde leider auch der Inhalt verändert, was auch vom Abfüller als „besser zum Gesamtkonzept passend“ bestätigt wurde. Viele Auszeichnungen und Geschmacksbeschreibungen die man so findet beziehen sich allerdings größtenteils noch auf die alte Version. Selbst bei „neuen“ Beschreibungen wurde oft nicht selbst probiert, sondern nur die Infos aus alten Quellen zusammenkopiert. Die alte Version des Plantation 20th Anniversary war ganz anders als die aktuelle, ein wenig würziger, viel fruchtiger, deutlich kokoslastiger und weicher.
Meine Bewertung hier bezieht sich aber explizit auf die neue Version, welche seit einigen Jahren im Handel ist. Die alte Version wird man höchstwahrscheinlich nur noch von Privatpersonen bekommen. Die Restbestände der Shops dürften mittlerweile größtenteils aufgebraucht sein.

Zusammenfassung

Sein Ruf eilt ihm voraus. Der Plantation XO 20th Anniversary Barbados Rum wurde und wird mit Medaillen und Lob geradezu überhäuft. Zu Recht?
Wer meine anderen Tastings hier gelesen hat weiß, dass ich recht kritisch bewerte und dabei auch vor viel gelobten Rums nicht halt mache, wenn es sein muss. Beim Plantation XO kann ich die Auszeichnungen und das Lob aber größtenteils wirklich nachvollziehen. Er hat eine sehr gelungene Kombination der Aromen. Exotisches Kokosaroma, kombiniert mit den für Barbados typischen Aromen Karamell, Vanille und Toffee. Auch wenn sich Vanille und Kokos nicht unbedingt passend anhört, es harmoniert hier wirklich wunderbar. Leider ist die Süße des Rums aber auch beim Plantation XO 20 Anniversary, wie so oft, künstlich mit Zuckerzugaben erkauft. Gemessene 29g/l Zucker können nicht aus reiner Fasslagerung stammen. Die fehlende Deklaration hat einen faden Beigeschmack, macht den Geschmack aber auch nicht schlechter. Aus Gründen der Transparenz weise ich aber hier darauf hin.
Was die Milde angeht, ist er aber nur guter Standard. Er ist gut trinkbar, aber auch in dieser Preisklasse gibt es deutlich mildere Rums. Das zeigt sich auch beim Geruch, der lange Zeit wirklich stark sprittig ist.
Besonders durch die Komplexität der Aromen sehe ich ihn auch nicht unbedingt als erste Wahl für Einsteiger. Er wird auch Einsteigern bestimmt schmecken, aber das wäre, wie man hier im Rheinland so schön sagt, wohl eher „Perlen vor die Säue geschmissen„. Denn diese unterschiedlichen Nuancen und besonders auch das sehr hintergründige Kokosaroma wird man als Einsteiger nur schwer herausschmecken können. Dafür ist er dann doch einfach zu teuer. Da würde ich dann eher zu anderen, etwas einfacheren Barbados Rums raten, die auch günstiger sind.

=

Erster Eindruck

Vor jedem Tasting gucke ich mir erst einmal das Produkt an und gebe eine Einschätzung zu meinem ersten Eindruck.

Wow, was für ein Anblick. Der Plantation XO 20th Anniversary Barbados Rum ist sehr ansprechend gestaltet wie ich finde. Er kommt in einer großen, sehr schweren Flasche mit dickem Boden und geht nach oben hin in einen übergroßen Deckel aus dunklem Echtholz über. Allein die Flasche ohne Inhalt wiegt schon 1,13KG. Groß und schwer ist hier also wirklich nicht übertrieben. In den Deckel eingelassen ist zusätzlich noch ein vergoldetes Emblem auf dem 2 Fässer und die Schriftzüge „Extra Old“ und „Double Aged“ abgebildet sind. Unten auf der Flasche befindet sich nur ein kleines Etikett mit einer großen goldenen 20 und dem Schriftzug „Anniversary“ darunter. Design und Farbgebung des Etiketts erinnern an einen Geldschein. Der große goldene Plantation Schriftzug in der Mitte der Flasche ist direkt auf das Glas gedruckt und auch die Schrift auf der Rückseite ist direkt aufgedruckt. Das Bastnetz welches rund um die ganze Flasche gespannt ist, gibt dem Design den letzten Schliff und macht es perfekt. Selten habe ich eine so pompöse, dabei aber immer noch edel anmutende Rumflasche gesehen.
Leider sieht man die ganze Pracht dieser Flasche nicht so gut, da meine fast leer ist. Sobald ich eine neue Flasche hier habe, werde ich die Bilder austauschen. Durch den Kontrast mit dem Rum kommt das ganze Design nämlich noch viel mehr zur Geltung. Aber auch so hat man den Eindruck ein absolutes Oberklasseprodukt in den Händen zu halten. Die Flasche ist garantiert in jeder Vitrine ein Hingucker.

Süß, komplex und interessant. Für Einsteiger aber nicht die 1. Wahl.

=

Geruch

So perfekt der erste Eindruck schon war, so herrlich geht auch der Geruch weiter. Man riecht sofort, dass der Plantation XO 20th Anniversary aus Barbados kommt. Er hat diesen typischen süßlichen Barbados Geruch mit einer Mischung aus Karamell und Vanille. Zusätzlich kommt hier aber noch ein Kokosaroma hinzu, welches nicht typisch Barbados ist, sich aber erstaunlich gut zwischen die anderen Aromen einfügt. Dieses Zusammenspiel ergibt einen wirklich hervorragenden Geruch. Ich könnte den ganzen Tag an diesem Rum riechen und es würde nie langweilig. Da bekommt man sofort Lust ihn zu probieren.
Was das Erlebnis hier aber ein wenig stört ist die sehr scharfe Alkoholnote nach dem Eingießen. Ich musste den Rum gut 15 Minuten stehen lassen, bis ich es als nicht mehr beißend empfand. Dafür ziehe ich 5 Punkte ab, was aber immer noch grandiose 90 Punkte beim Geruch ergibt. So kanns gern weiter gehen.

=

Tasting

Gestaltung hervorragend, Geruch hervorragend und das Wichtigste? Wie ist der Geschmack?
Direkt vorweg, auch der ist gut, aber mit ein paar Einschränkungen.
Sobald man den Plantation XO 20th Anniversary im Mund hat, merkt man sofort die Süße und auch das typische Aroma eines Barbados Rums. Was sich also schon beim Geruch ganz klar bemerkbar gemacht hat, spiegelt sich auch im Geschmack wieder. Seine Herkunft kann der Plantation XO definitiv nicht verleugnen. Ich persönlich mag dieses typische Barbadosaroma mit Karamell- und Vanillenoten sehr gern. Hier kommt zusätzlich aber noch eine deutliche Süße hinzu, die kaum natürlich sein kann. Das täuscht auch nicht, denn im Plantation XO wurden in Messungen immerhin 29g/l Zucker nachgewiesen. Und das obwohl Maison Ferrand ein unabhängiger Abfüller ist. Bei uA wird in der Regel eher nicht künstlich nachgeholfen. Das ist eigentlich die Domäne der original Abfüller. Die Rums unter der Marke Plantation bilden hier leider eine unrühmliche Ausnahme.
Zwar ist es etwas weniger Zucker als beim nicht minder beliebten Ron Botucal Reserva Exclusiva, aber ein hoher Wert bleibt es dennoch. Rein aus Fasslagerung kann das jedenfalls nicht stammen.
Durch diese Süße ist er aber auch erst so sehr für den Massenmarkt geeignet. Süße Rums sind eben zugänglicher und kommen bei den meisten Menschen gut an. Und auch ich mag ja süße Rums. Ich weiß zwar woher die Süße kommt und mir wäre es auch lieber, wenn es auf der Flasche deklariert werden würde, aber schmecken tuts mir schon.
Neben der Süße, Vanille und Karamell gibt es beim Plantation XO aber noch ein weiteres sehr interessantes Aroma zu entdecken. Kokos! Auch das Kokosaroma war schon im Geruch erkennbar. Dort ist es eher hintergründig und auch beim Geschmack ist Kokos nicht dominant. Es ist eher im Abgang präsent und auch da wirklich nicht immer. Allerdings muss man sich schon fragen, woher Kokosaroma in einem Rum stammen soll? Es ist zwar nicht so übermäßig stark vorhanden wie bei der alten Version des Plantation XO, aber auch hier schwingt so der Verdacht eines künstlichen Aromas mit. Zucker wurde ja immerhin auch zugesetzt.
Mittlerweile schmecke ich es immer öfter heraus, aber noch vor einem Jahr war es für mich eher Glückssache, da wirklich Kokos schmecken zu können. Wenn man es aber rausschmeckt, besteht der Abgang nahezu vollständig aus Kokos, was sehr angenehm ist. Da ist aber auch schon der Knackpunkt, warum ich den Plantation XO zwar grundsätzlich für einen guten Rum halte, aber besonders für Einsteiger, ist er aufgrund der Komplexität der Aromen nicht die erste Wahl. Zu viel wird da einfach verloren gehen und am Ende gehts einem dann vielleicht wie mir damals und man ist enttäuscht, weil die Bewertungen und Preise einfach eine unfassbar hohe Erwartung erzeugen. Besonders hat mich damals auch die Alkoholschärfe enttäuscht weil er überall als überaus mild beschrieben wurde. Ich gebe ihm noch gute 70 Punkte was die Milde angeht. Er brennt nicht großartig und ist gut trinkbar, aber er ist bei weitem nicht so mild wie überall berichtet wird. Guter Standard würde ich sagen.
Zum Abgang bleibt neben dem Kokos noch zu sagen, dass er recht kurz ist und von ein paar bitteren Noten begleitet wird. Der Alkohol brennt ebenfalls ein wenig nach. Aber alles im Rahmen und nicht störend.

Insgesamt also ein gesüßter, aber guter Geschmack mit sehr schönen Aromen, die erstaunlich gut miteinander harmonieren. Wäre er ein wenig milder und am besten noch ohne Zuckerzusatz, wäre das ein Kandidat, der nah an den Thron für die Geschmackswertung gelangen könnte. Aktuell bleibt aber der Mount Gay XO Reserve Cask der Rum, mit der bisher höchsten Geschmackswertung bei Ruminfo.

=

Preis / Leistung

Muss man splitten finde ich. Für Einsteiger halte ich das P/L Verhältnis für nicht so ideal, da sie das, was den Plantation XO 20th Anniversary Barbados Rum aus macht, nämlich seine Komplexität wahrscheinlich nicht herausschmecken werden. Und rein für Vanille- und Karamellaromen muss man keine 45€ ausgeben.
Für etwas erfahrene Rum Trinker sieht die Sache schon anders aus. Der Plantation XO hat nämlich viele Nuancen zu entdecken, was wirklich sehr interessant sein kann. Nur muss man eben wissen, worauf man achten muss. Dafür braucht es einfach ein wenig Erfahrung. Dafür ist der Preis dann ganz gut wie ich finde, auch wenn man die pompöse Flasche sicher ordentlich mit bezahlt.
Bei Einsteigern würde ich also 40 Punkte fürs P/L Verhältnis vergeben und für Fortgeschrittene 80, macht zusammen 60.

=

Blindkauf ?

Dürfte sowohl für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene ziemlich unproblematisch sein. Solange man süße Rums und Vanille / Karamell mag, sollte der Plantation XO 20th Anniversary Barbados Rum passen. Wie bereits erwähnt gibt es für Einsteiger sicher bessere Varianten, grundsätzlich schmecken wird er aber bestimmt. Ich finde das Aroma von Barbados Rums hat sowieso etwas sehr gefälliges, weil das von sich aus schon sehr süßliche, karamellige Noten hat. Sieht man auch gut beim Mount Gay XO, welcher völlig ohne Zuckerzusätze trotzdem einen süßlichen Charakter hat. Ich hab den Plantation XO damals jedenfalls auch blind gekauft und habe es nicht bereut. Da es aber mein erster „guter“ Rum war und ich somit selbst blutiger Anfänger gewesen bin, war ich vom Geschmack aus oben genannten Gründen ein wenig enttäuscht.

Geschmacklich vergleichbar ist der Plantation XO meiner Ansicht nach mit dem Mount Gay XO (nicht was die Süße angeht), entfernt mit dem Cartavio XO und generell natürlich mit Barbados Rums.

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