Ron Cartavio XO Tasting

Gesamtwertung

70/100

Hier gibts das Video zum Tasting!

Datenblatt

Herkunft: Peru

Hersteller / Destillerie: Av. Santa Elena s/n Cartavio

Alter: bis zu 18 Jahre

Herstellungsverfahren: Solera

Preis: EUR 66,90 *

Alkohol: 40%

Bekannte zugesetzte Stoffe: Zuckerkulör, 29g/l Zucker

  • Geruch 75%
  • Geschmack 78%
  • Süße 75%
  • Milde 85%
  • Preis / Leistung 40%
  • Gesamt 70%
P

Sehr mild

P

Gefälliger Geschmack

P

Als Geschenk gut geeignet

O

Ordentlich nachgesüßt

O

P/L Verhältnis könnte besser sein

Zusammenfassung

Der Ron Cartavio XO ist wirklich kein schlechter (Süß-) Rum. Allerdings sind im Tasting einige Kleinigkeiten aufgefallen, die ihn insgesamt dann doch nur zu Mittelmaß degradieren. Zum Einen suggeriert der Geruch schöne Aromen, welche der Geschmack dann leider nicht halten kann und zum Anderen, ist die Deklaration auf der Flasche äußerst fragwürdig. Die Standard Karamell- und Toffeearomen in Kombination mit der deutlichen Süße passen auch nicht so ganz zu einem Preis von rund 67€. Einzig die Milde wird dem einigermaßen gerecht.

Der Geschmack ist mit 78 Punkten insgesamt solides Mittelmaß, besonders auch durch das schlechte P/L Verhältnis vergebe ich dann für das Gesamtpaket aber nur 70 Punkte. Durch die edle Aufmachung ist er somit eher als Geschenk geeignet, wo das P/L Verhältnis ja meist eine untergeordnete Rolle spielt.

=

Erster Eindruck

Vor jedem Tasting gucke ich mir erst einmal das Produkt an und gebe eine Einschätzung zu meinem ersten Eindruck.

Der erste Eindruck des Ron Cartavio XO ist sehr gut. Die schwere Flasche hat eine stilvolle, nach unten hin schmaler werdende, leicht eckige Form. Der Schriftzug auf der Vorderseite ist in einem hellen Goldton gehalten und ins Glas eingraviert. In Kombination mit dem dunklen Rum und dem hellen, recht großen Echtholzdeckel (Korken Kunststoff), in dem auch noch einmal „XO“ eingraviert wurde, macht der Rum schon einiges her. In der Vitrine auf jeden Fall ein Hingucker und auch als Geschenk sicher sehr gut geeignet. Wobei hier natürlich der Inhalt mehr zählen sollte 😉
Negativ ist aber direkt anzumerken, dass auf der Flasche zwar hinten das Alter von 18 Jahren angegeben ist, der Hinweis auf das verwendete Solera Verfahren fehlt allerdings komplett. Den findet man nur auf der Homepage von Cartavio und bei einigen online Shops ist es ebenfalls vermerkt. Auch wenn es leider gängige Praxis ist, hat das für mich immer so einen leicht faden Beigeschmack, dass mehr premium suggeriert werden soll, als wirklich vorhanden ist.

Angeblich wurde auch kein Zuckerkulör zugesetzt, die Farbe ist allerdings so dunkel, dass es kaum anders sein kann. Ich kenne einige Rums gleichen Alters von unabhängigen Abfüllern, wo kein Zuckerkulör enthalten ist und die sind deutlich heller. Der Cartavio XO ist von der Farbe her etwa so dunkel wie der Ron Zacapa 23 und dem wurde ja bekanntlich Zuckerkulör zugemischt. Auch wenn es also bisher nicht bekannt ist, habe ich es oben bei den Inhaltsstoffen aufgeführt. Immerhin sind ja auch 29g/l Zucker enthalten. Warum sollte man sich dann gerade beim unkritischen Zuckerkulör zurückhalten?

Solider, guter Standard. Aber bitte nicht zu diesem Preis…

=

Geruch

Der Cartavio XO hat ein sehr starkes Eichen-Holzaroma kombiniert mit scharfen Gewürzen. Als wenn man an Holz riecht, welches in Pfeffer gebadet hat. Es ist allerdings nur dieses Aroma, scharf ist der Geruch nämlich kaum. Zwar riecht man auch hier den Alkohol durchaus, ich finde ihn aber vom Geruch nicht so sprittig wie beispielsweise einen Plantation XO 20th Anniversary oder Ron Zacapa 23. Neben diesem sehr dominanten Holzgeruch finde ich noch Karamell, Süße und ein wenig malzige Aromen. Insgesamt ist der Geruch schon ganz angenehm und stimmig, aber auch nichts wirklich Überragendes. Daher gebe ich hier solide aber ausbaufähige 75 Punkte.
=

Tasting

Beim ersten Schluck schlägt einem beim Ron Cartavio XO sofort die Süße ins Gesicht. Bei 29g/l gemessenem Zuckergehalt ist das aber auch kaum verwunderlich. Was mich allerdings wundert, ist der geringe Holzanteil im Aroma. Bei dem sehr dominanten Holzgeruch, hätte ich hier mehr erwartet. Stattdessen gibts deutlich ausgeprägt die üblichen Karamell- und Toffeenoten. Dazu kommen dann noch ein paar wenige Bitterstoffe und das wars dann eigentlich auch schon. Wer hier also eine schöne dominante Eichennote erwartet, wie der Geruch ja auch vermuten ließ, wird enttäuscht. Eiche ist zwar schon schmeckbar, aber echt nicht übermäßig und damit auf dem Niveau der meisten anderen 12-20 Jährigen Solera Rums. Ist geschmacklich somit leider ziemliche 0815 „Standardkost“. Gefällig, aber ohne Überraschungen. Zu Gute halten kann man ihm immerhin, dass er sehr mild ist und sich wenigstens damit ein wenig vom 30-35€ Standard Mainstream abhebt.
Der Abgang ist für einen Solera Rum hingegen deutlich länger als erwartet. Sehr viele Solera (Mainstream) Rums die ich kenne, sind im Abgang eher kurz bis quasi nicht existent. Da auch der Cartavio ein Solera Rum mittleren Alters ist, hatte ich hier entsprechend keine großen Erwartungen. Besonders auch nach dem recht enttäuschenden Geschmack erst recht nicht. Aber hier wurde ich positiv überrascht. Der Abgang ist zwar immer noch nicht lang, aber schon im Mittelfeld und kommt mit einer schönen Vanillenote und erfreulicherweise nahezu gar keinen Bitterstoffen. Das hatte ich so nicht erwartet und ist ein kleiner Pluspunkt.

Der Geschmack war also etwas anders als erwartet und insgesamt auch wirklich nicht schlecht. Aber bei dem Geruch und dem aufgebauten premium Image mit entsprechend hohem Preis, hatte ich etwas komplexeres, interessanteres erwartet. Besonders, dass die Eiche im Geschmack deutlich weniger durch kam, als der Geruch hatte vermuten lassen, fand ich sehr schade. Letztlich hebt sich der Geschmack des Ron Cartavio XO damit nämlich nicht mehr wirklich von anderen, deutlich günstigeren Rums ab. Künstliche Süße, Karamell, Vanille und leichte Eichennoten bekomme ich auch für rund 35€. Geschmacklich würde ich also sagen im soliden 75 Punkte Bereich. Das ist in Ordnung und gut trinkbar, aber hat halt auch noch gut Luft nach oben. Im Vergleich besser finde ich beim Cartavio nur den Abgang und die geringere Alkoholschärfe. Für volle 80 Punkte reicht das aber nicht. Deswegen vergebe ich insgesamt 78 Punkte für den Geschmack. Quasi guter Standard mit einem kleinen Plus dahinter.

=

Preis / Leistung

Guter, milder Süßrum mit guten, aber auch sehr bekannten und gefälligen Aromen. Für diesen Preis muss da einfach mehr kommen als 0815 Karamell und Eiche. Die Flasche ist sehr edel, er ist gut trinkbar und wird bestimmt nicht im Regal verkommen, für mich selbst würde ich ihn aber für rund 67€ nicht mehr kaufen. Der Ron Cartavio XO ist damit eigentlich der ideale Rum zum verschenken.
=

Blindkauf ?

Den Ron Cartavio XO kann man eigentlich bedenkenlos blind kaufen. Die Aromen sind nicht extravagant und orientieren sich ziemlich an dem, was den meisten Menschen schmeckt. Süße, Karamell / Toffee und ein bisschen Eiche, garniert mit ziemlich wenig Alkoholschärfe. Wer sowas mag, kann hier nicht viel falsch machen und muss sich nicht unbedingt vorher ein Sample besorgen. Ob man für diese Aromen allerdings zu einem Ron Cartavio XO für 67 Euro greifen muss, steht auf einem anderen Blatt.

Geschmacklich vergleichbar ist der Cartavio XO mit dem Ron Centenario 20, nur mit etwas weniger dominanter Süße, feiner abgestimmt und er ist deutlich milder. Die grundsätzliche Richtung ist aber ziemlich ähnlich. Streicht man die Kokosnote beim Plantation XO 20th Anniversary, hat man auch hier sehr viele Gemeinsamkeiten. Ebenfalls geschmacklich nah dran ist er auch am Ron Malteco 20, nur ohne die Röstaromen. Die anderen Aromen, Milde und Süße sind aber nicht all zu verschieden.
Man sieht also, wirklich besonders ist der Ron Cartavio XO nicht und bereits die 3 hier genannten Alternativen sind alle schon deutlich günstiger zu haben.

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